Mitte der 90er Jahre erfolgte in der Softwareentwicklung ein Paradigmenwechsel, von der strukturierten Softwareentwicklung - hin zur modellbasierten objektorientierten Systementwicklung, welche die Software-Entwicklung durch den Einsatz von Standardlösungen, sog. Frameworks erheblich rationalisieren konnte.
Nachdem die Zusammenarbeit der Bundesländer keine nennenswerten Erfolge zuwege gebracht hatte (Streitereien und Kompetenzgerangel) wurde 2001 die fiscus GmbH gegründet. Sie setzte auf die zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen steckende objektorientierte Technologie (Java) und Oracle-Datenbanken.damit konnte die fiscus GmbH bis 2004 auch tatsächlich einige kleinere Anwendungen Grunderwerbssteuer (GrESt) und Bußgeldverfahren und Strafsachen (BuStra) erstellen. In Bezug auf die großen Projektziele (Einkommensteuer, Umsatzsteuer) jedoch, wurde wenig erreicht. D Bayerische Rechnungshof bemängelte schon früh das "Fehlen strategischer Planung" und 2002 stieg Bayern aus der fiscus GmbH aus.
In den folgenden Jahren verbrauchte die fiscus GmbH jährlich einen Etat von 100.000.000 € und zog dabei Kritik weiterer Landesrechnungshöfe wegen fehlerhaftem Controlling und unzureichendem Projektmanagement auf sich. Vor diesem Hintergrund beschloss die Finanzministerkonferenz (FMK) 2005, die fiscus GmbH zu liquidieren.
Lessond Learned
Das Projekt zeigt, dass die Missachtung grundlegender Prinzipien des Projektmanagements, wie klaren Zielbestimmungen und Aufgabenzuweisungen, in einem föderalen Rahmen zügig in eine existentielle Krise führen.
Gute Projektmanager hätten die Reißleine selbst, und früher ziehen müssen. In der Folge beschränkten die Landesfinanzminister sich im Projekt „Koordinierte neue Softwareentwicklung der Steuerverwaltung“ (KONSENS) auf die Koordination und Harmonisierung der verschiedenen Eigenentwicklungen.